Solidaritätserklärung der Bochumer Bildungsstreik AG mit dem Bildungsstreikbündnis und den Freien Studierenden Dortmund
Nach der Campus-Besetzung durch ein Protestcamp an der TU Dortmund am 07. Juni und der im Vorfeld am 06. Juni veröffentlichten Pressemitteilung der “ASten der TU Dortmund, der FH Dortmund, der DGB-Jugend, der Falken und der Jusos Dortmund”, in der deren aller Austritt aus dem Bildungsstreikbündnis Dortmund verkündet und “begründet” und zugleich das KffB (Komitee für freie Bildung) übel angefeindet und diffamiert wurde, solidarisiert sich nun die Bochumer Bildungsstreik AG offen mit dem Bildungsstreikbündnis und den Freien Studierenden Dortmund, sowie mit dem immer noch bestehenden Protestcamp auf dem Campus der TU Dortmund.
Das Bildungsstreikbündnis Dortmund besteht nun nach den oben genannten Austritten noch aus dem KffB, der BSV (BezirksschülerInnenvertretungen Dortmund), der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Stadtverband Dortmund), der Linksjugend [’solid] Dortmund, der Grünen Jugend Dortmund sowie der SDAJ Dortmund. Das KffB wird als Hauptgrund für oben genannte Austritte angegeben; sie ’skandiere antikapitalistische und antiparlamentarische Parolen’ auf Bildungsstreikdemonstrationen. Vom KffB wurde gefordert, “entsprechende Parolen und Forderungen auf der für kommende Woche geplanten Demonstration zu unterlassen, und sich auf die gemeinsame Schnittmenge der bildungspolitischen Inhalte zu beschränken”, so in der Pressemitteilung der Bündnisaussteiger. Außerdem fordern sie:
“Die berechtigte Kritik am Bildungsnotstand in Deutschland darf nicht als Hebel für linksextreme Tendenzen missbraucht werden”.
Da fragen wir uns: Ist es eine “linksextreme Tendenz”, wenn man sich dafür einsetzt, dass der Mensch mit Erwerb seines Abschlusses mehr ist, als der bloße Marktwert, den er durch seinen Grad des Abschlusses zugeschrieben bekommt? Oder ist das einfach nur menschlich? Ist Kapitalismuskritik im Bildungsstreik wirklich so fehl am Platz? Oder ist es nicht viel mehr Sinn und Ziel des Kapitalismus, dass der Wert eines Menschen an seiner Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit in der Wirtschaft gemessen wird?
Entstehen nicht die Bildungsprobleme genau aus dieser Degradierung des Menschen?
Wir stellen fest: Doch, genau das tun sie. Kapitalismuskritik ist im Bildungsstreik nicht fehl am Platz, denn es wird niemals selbstbestimmte Bildung, niemals kostenfreie Bildung, niemals eine am Menschen orientierte FREIE BILDUNG FÜR ALLE geben, solange Bildung nicht mehr ist als die Höhe der Leistung, die DU erbringen kannst, und nicht mehr ist als die Menge des Geldes, das DU mit deinem Abschluss fähig bist zu verdienen.
Und? Wie gut bist DU?
Wir setzen uns ein für selbstbestimmtes Lernen. Wir wollen, dass DU das lernst, was du denkst, dass es dir bei deinem Wunschberuf weiterhilft. Wir wollen, dass DU genug Zeit hast, dich auch menschlich nach deinen Wünschen weiterzubilden und deinen Stundenplan nach deinen Interessen gestalten kannst, ohne dass du Nachteile daraus ziehst. Wir wollen, dass DU, dass JEDE/R aus seinem/ihrem Studium das mit nimmt, was er/sie für sein Leben braucht. Denn genau das bedeutet “studieren”. Nicht stupides auswendig lernen, nicht ein so voller und festgelegter Stundenplan, der nur darauf ausgelegt ist, dass du auf dem für den Staat kostengünstigsten Wege möglichst schnell auswendig lernst und mit der höchsten wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit aus deinem “Studium” herausgehst.
Und? Lernst du noch oder studierst DU schon?
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Das am 07. Juni errichtete Protestcamp auf dem Campus der TU Dortmund vor der EF50 besteht immer noch und auch weiter aktiv. Motivierte Menschen stellen Woche für Woche ein umfangreiches Programm auf die Beine, das u.a. aus einem alternativen Vorlesungsverzeichnis mit Vorträgen zu verschiedensten Themen und Diskussionsrunden, wie auch kreativen und abwechslungsreichen Kulturangeboten wie eine Offene Bühne, Auftritten von LiedermacherInnen und kreativen Workshops besteht.
Wir solidarisieren uns mit dem Protestcamp und werden es auch weiterhin unterstützen. Wir finden es gut, dass sich ein Freiraum zur aktiven Auseinandersetzung mit den immer noch nicht erfüllten Forderungen des Bildungsstreiks und zur kreativen Gestaltung eines abwechslungsreichen Programms genommen wurde. Dieser Freiraum bleibt bestehen, solange er genutzt wird. Also, nutzt ihn, kommt vorbei, bringt euch ein. Es ist genug Platz für Zelte, es gibt immer Essen und Trinken gegen Spende und Mitwirkung in jeglicher Hinsicht wird gern angenommen.
*Create your personal space*

Huhu,
Da ich – wie man sieht – durchaus an einem Diskurs interessiert bin und mich freue, dass hier nun etwas substanzieller argumentiert wird, hoffe ich, dass sich jemand findet, der mir folgendes erklärt:
Wir wollen, dass DU das lernst, was du denkst, dass es dir bei deinem Wunschberuf weiterhilft
Nun, ICH traue mir nicht oder nur in Grenzen zu, zu entscheiden, was mir genau bei meinem Wunschberuf weiterhilft oder nicht. Natürlich kann ich Inhalte hinterfragen, aber wenn ich bereits wüsste, was ich später einmal brauche, müsst ich gar nicht erst zur Uni, oder? Btw: Bruchrechnung lernen fand ich damals auch doof, inzwischen bin ich relativ froh, es zu können – d.h. nicht, dass ich mich hinsetz und stupide lerne, was man mir vorsetzt, es heißt nur, dass auch Bildung nicht immer ein Wunschkonzert ist.
Wir wollen, dass DU genug Zeit hast, dich auch menschlich nach deinen Wünschen weiterzubilden und deinen Stundenplan nach deinen Interessen gestalten kannst, ohne dass du Nachteile daraus ziehst
Das ist wohl eine Frage des Faches. Ich bin froh darüber, dass der Mediziner bestimmte Dinge lernen MUSS, ob er will oder nicht, und wenn ich eine Brücke überquere fänd ichs auch gut, wenn der Architekt Ahnung von Statik hat. Alle weiteren Einzelheiten, zB dass in den Geisteswissenschaften eine bestimmte Wahlfreiheit herrschen sollte, gilt es dann je nach Fach zu klären – wie ein Studiengang aufgebaut ist, ist zunächst Sache des Prüfungsausschusses der Fakultät und somit durchaus auch in der Hand der Studierenden (nicht zuletzt bei der Akkreditierung). Wenn „die Obrigkeit“ böse ist, wäre es sinnvoller, diese Probleme direkt vor Ort anzugehen, als „global“ die Rektorin/das Land für Studiengänge verantwortlich zu machen, die sie/es nicht entworfen hat. Module an sich sind nichts schlechtes, wenn man sie richtig umsetzt.
…dass du auf dem für den Staat kostengünstigsten Wege möglichst schnell auswendig lernst und mit der höchsten wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit aus deinem “Studium” herausgehst
Die Aussage versteh ich nicht. Wer will, dass ich möglichst schnell bin?